Merz entfacht Debatte über europäische Atomabschreckung – und stellt US-Abhängigkeit infrage

Klaus-Dieter Pohl
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Eine Gruppe von Schiffen auf dem Wasser mit einem bewölkten Himmel im Hintergrund und Text unten, der '15 NATO und zwei Partnerländer maritime, anti-unterwasserkriegsführende, amphibische und Luftverteidigungsoperationen durchführen, um die regionale Sicherheit im Baltikum zu gewährleisten' neben einem Logo angibt.Klaus-Dieter Pohl

Merz entfacht Debatte über europäische Atomabschreckung – und stellt US-Abhängigkeit infrage

Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit einer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung neu entfacht. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit wachsender Bedenken wegen der Abhängigkeit von den USA für den nuklearen Schutz – besonders vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen mit Russland. Die Diskussion knüpft an frühere Forderungen des ehemaligen grünen Außenministers Joschka Fischer an, Europa solle ein eigenes atomares Schutzschild entwickeln.

Merz argumentierte, dass Deutschland und andere nicht-nukleare europäische Staaten ohne den amerikanischen Nuklearschirm keine volle Souveränität besäßen. Er warnte, diese Länder blieben atomaren Bedrohungen schutzlos ausgesetzt, solange sie von der Unterstützung der USA abhängig seien. Zudem deutete er an, dass es laufende Gespräche mit dem französischen Präsidenten über mögliche europäische Optionen zur nuklearen Abschreckung gebe.

Die deutsche Haltung zu Atomwaffen hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Während des Kalten Krieges lehnte das Land eigenständige Atomwaffen kategorisch ab. In jüngerer Zeit gab es vorsichtige Überlegungen, französische oder britische Nuklearkapazitäten zu teilen. Merz schloss jedoch ausdrücklich aus, dass Deutschland eigene Atomwaffen anschaffen werde.

Trotz der Diskussionen steht einem vollständig "europäisierten" Nuklearschirm massive Hindernisse im Weg. Rechtliche, gesellschaftliche und bürokratische Hürden in Deutschland machen einen solchen Schritt unwahrscheinlich. Zudem gibt es Zweifel, ob die militärische und politische Führung des Landes im Krisenfall bereit wäre, Atomwaffen einzusetzen.

Aktuell setzt Deutschland weiterhin auf die Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen im Rahmen des NATO-Nuklearteilhabevertrags. Deutsche Piloten werden seit den 1980er-Jahren darin ausgebildet, im Notfall taktische US-Waffen einzusetzen. Zwar halten die Gespräche an, konkrete Schritte hin zu einer eigenständigen europäischen Atomstreitmacht wurden jedoch bisher nicht unternommen.

Die Debatte über die nukleare Zukunft Europas bleibt ungelöst. Der aktuelle deutsche Ansatz basiert nach wie vor auf den auf eigenem Boden stationierten US-Waffen. Jeder Wandel hin zu einer gemeinsamen europäischen Abschreckung würde erhebliche politische und praktische Herausforderungen mit sich bringen.

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