27 March 2026, 10:18

Kratzers provokante Paradies-Premiere polarisiert an der Hamburger Staatsoper

Schwarz-weißer Kupferstich mit dem Titel 'Aaron Staying the Plague', der verstörte Menschen in einem Feld unter einer untergehenden Sonne zeigt.

Kratzers provokante Paradies-Premiere polarisiert an der Hamburger Staatsoper

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri

Die Hamburger Staatsoper hat mit einer kühnen Neuinterpretation von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri – basierend auf einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh – für Furore gesorgt. Unter der Regie von Tobias Kratzer verband die Uraufführung zeitgenössische gesellschaftliche Themen mit beeindruckender Bühnengestaltung und erntete sowohl begeisterten Applaus als auch vereinzelte Buhrufe. Die Vorstellung markierte zugleich Kratzers Debüt als neuer Intendant des Hauses und läutete eine künstlerische Wende für die Institution ein.

Kratzers Inszenierung brach bewusst mit der Tradition, indem sie aktuelle Probleme in den Mittelpunkt rückte. Im dritten Akt des Oratoriums zeigte sich eine von Plastikmüll überzogene Welt unter einer Kuppel, in der Kinder zwischen ökologischem Verfall spielten – eine deutliche Anspielung auf die Klimakrise. Frühere Szenen begleiteten Peri, ein engelhaftes Wesen, auf ihrer Suche nach dem Paradies, die sie durch Krieg, Pest und Generationenkonflikte führte. Ein Schlüsselmoment zeigte einen schwarzen Mann, der einen Anführer herausforderte, nur um von einem wütenden Mob gewaltsam getötet zu werden – Peri blieb blutverschmiert zurück, eine schonungslose Darstellung von kollektiver Schuld und Unterdrückung.

Der Regisseur durchbrach zudem die vierte Wand und bezog das Publikum direkt in das Geschehen ein. So kletterte die Sängerin Vera-Lotte Boecker in der Rolle der Peri über die Orchesterränge, um sich neben eine weinende Zuschauerin zu setzen – eine symbolträchtige Geste, die Empathie als Schlüssel zum Paradies verkörperte. Kratzer setzte dynamische Lichtinstallationen und fahrbare Kameras ein, um zusätzliche Kommentarebenen zu schaffen, während Omer Meir Wellber das Philharmonische Staatsorchester zu einer kraftvollen, mitunter die Solisten überlagernden Interpretation führte.

Die Premiere steht im Zeichen von Kratzers Bestreben, die Oper enger mit dem städtischen Leben Hamburgs zu verknüpfen. Seine kommende Spielzeit umfasst provokante Werke wie Monster's Paradise und Frauenliebe und -leben – ein Hinweis darauf, dass gesellschaftskritische Themen auch künftig durch zugängliche, mutige Inszenierungen im Fokus stehen werden. Trotz anfänglicher Vorbehalte honorierte das Publikum die rohe Energie und Aktualität der Produktion schließlich mit begeistertem Beifall.

Mit Das Paradies und die Peri hat die Hamburger Staatsoper unter Kratzers Leitung einen konfrontativen Ton angeschlagen. Indem die Inszenierung Themen wie Rassismus, Umweltzerstörung und moralische Verantwortung in Schumanns Partitur webt, fordert sie das Publikum auf, Oper als Spiegel zeitgenössischer Konflikte zu begreifen. Ob dieser Ansatz in der Stadt weiter Anklang findet, werden die kommenden Aufführungen zeigen.

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