Münchens Zukunft steht zur Wahl: Reiter oder Krause als Oberbürgermeister?
Klaus-Dieter PohlMünchens Zukunft steht zur Wahl: Reiter oder Krause als Oberbürgermeister?
Münchens Oberbürgermeister-Stichwahl findet diesen Sonntag statt
Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) erhielt in der ersten Runde 35,6 Prozent der Stimmen, während sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) auf 29,5 Prozent kam. Die Wahl entscheidet, wer die Stadt in den nächsten sechs Jahren führen wird – mit deutlichen Unterschieden in den Visionen für Wohnungsbau, Verkehr und Großveranstaltungen.
Zu den zentralen Themen gehören die Zukunft der IAA-Mobilitätsmesse, eine mögliche Erweiterung des Oktoberfests sowie Lösungsansätze für die Münchner Wohnungsnot. Auch beim Tempo der Verkehrswende und dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gehen die Kandidaten unterschiedliche Wege.
Dieter Reiter regiert München seit 2014 und setzt auf einen ausgewogenen Ansatz in der Stadtentwicklung. Zwar befürwortet er den Ausbau des ÖPNV, doch er pocht darauf, auch weiterhin autofreundliche Bedingungen zu schaffen – selbst im Zeitalter der E-Mobilität. Die IAA will er in ihrer aktuellen Form erhalten, inklusive der Nutzung öffentlicher Plätze, um einen Abzug der Messe zu verhindern. Beim Wohnungsbau plädiert er für eine Mischung aus Neubauten und Sanierungen, räumte jedoch kürzlich ein, dass das 15-jährige Stadtentwicklungsprogramm (SEM) kaum Fortschritte gebracht habe und damit gescheitert sei.
Sein grüner Konkurrent Dominik Krause fordert dagegen radikale Veränderungen. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren will er Verbrenner aus Münchens Innenstadt-Ring verbannen und sie vollständig durch Elektroautos ersetzen. Sein Plan sieht zudem einen raschen Ausbau von ÖPNV und Radwegen vor. Im Wohnungsbau strebt Krause eine Offensive an: 50.000 neue Wohnungen, umgenutzte Büroräume und eine Mietobergrenze von 450 Euro monatlich für Studentenwohnheime. Bei der IAA geht er auf Konfrontationskurs zu Reiter – er will die Messe reformieren, indem er ihre Nutzung öffentlicher Flächen beendet, und argumentiert, dass sie auch ohne Innenstadt-Ausstellungsbereiche überleben könne.
Auch beim Oktoberfest gibt es Differenzen. Während Reiter sich nicht festlegen will, ob die Giesinger Brauerei in das Fest integriert werden soll, zeigt sich Krause offen für die Idee. Allerdings haben frühere Äußerungen Krauses zum Oktoberfest für Kontroversen gesorgt, ohne dass aktuelle Berichte seine genauen Aussagen benennen.
Die Stichwahl wird zeigen, ob München unter Reiters bewährter, aber gemäßigter Linie weiterregiert wird oder ob Krauses reformfreudiger Kurs die Oberhand gewinnt. Der Sieger wird die Weichen für Wohnungsbau, Verkehr und Großveranstaltungen in den kommenden Jahren stellen.
Die Wähler müssen sich entscheiden: Soll es beim Status quo mit schrittweisen Anpassungen bleiben – oder soll die Stadt mit mutigeren Reformen in den Bereichen Mobilität, Stadtplanung und Nutzung öffentlicher Räume voranschreiten?






