Klimawandel bedroht bayerischen Tourismus – doch viele Betriebe handeln noch zu zögerlich
Pierre BaumKlimawandel bedroht bayerischen Tourismus – doch viele Betriebe handeln noch zu zögerlich
Neue Studie untersucht Auswirkungen des Klimawandels auf den bayerischen Tourismus und die Reaktionen der Beherbergungsbetriebe
Eine aktuelle Studie beleuchtet, wie der Klimawandel den Tourismussektor in Bayern beeinflusst und wie Unterkünfte darauf reagieren. Dr. Niklas Völkering, Geograf an der Universität Augsburg, leitet die Forschung zu den Fortschritten auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Ergebnisse zeigen sowohl die Herausforderungen als auch die bereits erzielten Erfolge der Betriebe in der Region.
Bayern verzeichnete 2023 rund 100 Millionen Übernachtungen – pro Gastnacht fielen dabei durchschnittlich 14 Kilogramm CO₂ an. Doch nur 27 Beherbergungsbetriebe gleichen ihre Emissionen derzeit aktiv aus. Viele haben zwar Maßnahmen wie die Installation von Solaranlagen oder die Modernisierung von Heizsystemen ergriffen, doch das Bewusstsein für das Klimaneutralitätsziel bis 2040 bleibt gering.
Die Studie offenbart gemischte Erfahrungen mit dem Klimawandel: 56 Prozent der Betriebe berichten von keinen negativen Auswirkungen, während 32 Prozent mit Problemen wie geringeren Schneefällen kämpfen. 14 Prozent verzeichnen sogar Vorteile, etwa längere Sommersaisons. Dennoch bremsen Hindernisse wie hohe Kosten, unklare Vorschriften und konkurrierende Prioritäten das Tempo der Klimamaßnahmen.
Völkerings Forschung zeigt zudem, dass das Engagement der Führungskräfte den Fortschritt vorantreibt: Betriebe mit motiviertem Management setzen mehr Maßnahmen um – unabhängig davon, wie stark sie vom Klimawandel betroffen sind. Zudem sind 60 Prozent der Befragten überzeugt, dass vor allem Politiker und Gäste in der Verantwortung für Nachhaltigkeit stehen. Ein standardisiertes Zertifizierungssystem gilt als entscheidend, um verlässliche Klimaneutralitäts-Siegel zu gewährleisten.
Die Studie unterstreicht den Bedarf an klareren Leitlinien und einer breiteren Sensibilisierung für die Klimaziele. Da nur ein Bruchteil der Unterkünfte Emissionen kompensiert, muss die Branche Wissenslücken schließen und finanzielle Hürden überwinden. Eine einheitliche Zertifizierung könnte Betrieben und Gästen helfen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.
