23 April 2026, 14:34

Kim de l'Horizons Kein Körper passt erobert als Bühnenstück die Berliner Theaterwelt

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Lebensphasen einer Frau von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, mit kräftiger Schrift und detaillierten Elementen.

Kim de l'Horizons Kein Körper passt erobert als Bühnenstück die Berliner Theaterwelt

Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman Kein Körper passt feiert Premiere in Berlin

Am Dienstag hatte am Vaganten Bühne-Theater in Charlottenburg die Bühnenfassung von Kim de l'Horizons gefeiertem Roman Kein Körper passt Premiere. Unter der Regie von Max Radestock und Daniela Guse setzt sich das Stück mit Geschlechtsidentität, Selbstakzeptanz und der Last des vererbten Traumas auseinander.

Die 90-minütige Inszenierung erzählt die Geschichte von Kim, einer Erzählerin, deren fließende Identität sich binären Zuschreibungen entzieht. Ihre Reise beginnt, als die Demenz ihrer Großmutter deren Erinnerung löscht – ein Anstoß, um über alte Briefe und vergrabene Familiengeschichten den eigenen Wurzeln nachzuspüren.

Der Roman Kein Körper passt sorgte 2022 für Furore und gewann sowohl den Deutschen Buchpreis als auch den Schweizer Buchpreis. Nun verwandelt die Bühnenversion seine rohe, introspektive Erzählung in ein visuelles und emotionales Erlebnis. Drei Schauspieler:innen verkörpern Kim und veranschaulichen so den Kampf, eine genderfluide Identität mit gesellschaftlichen Erwartungen in Einklang zu bringen.

Kims Erforschung ihrer mütterlichen Abstammungslinie fördert Traumas zutage, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Eine Blutbuche, gepflanzt von ihrem Urgroßvater, wird zum Refugium – ein Symbol für Widerstandskraft und Wandel. Unter ihren Ästen stellt sich Kim der jahrhundertelangen Stille, die die Vergangenheit ihrer Familie umhüllt.

Der Höhepunkt des Stücks zeigt die drei Kims, die das "Große Meer" zur Ruhe betten. Diese Geste steht für das Ende des Schweigens, das bewusste Durchbrechen von Kreisläufen, die ihre Ahnen gefangen hielten. Durch Bewegung, Stimme und Ritual wird Scham neu gedacht – als Weg zur Selbstannahme.

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Radestocks und Guses Regie betont den Körper als Schlachtfeld und zugleich als Ort der Befreiung. Die Bühnengestaltung spiegelt Kims inneren Konflikt wider, in dem Fließendes auf starre Definitionen prallt. Briefe an die Großmutter dienen als Anker und führen das Publikum durch Schichten von Erinnerung und Identität.

Die Adaption von Kein Körper passt fordert das Publikum auf, das Aufbrechen vererbten Schmerzes und die Rückeroberung eines genderfluiden Selbst mitzuerleben. Indem die Inszenierung Kims Weg eine Stimme verleiht, verwandelt sie persönliches Trauma in einen gemeinsamen Akt des Widerstands.

Die Produktion ist weiterhin am Vaganten Bühne zu sehen – ein Ort, an dem Schweigen gebrochen wird und ein Körper, egal wie undefiniert, endlich seinen Platz findet.

Quelle