04 April 2026, 18:20

Kardinal Marx: "Demokratie braucht Religion – sonst droht sie zu scheitern"

Offenes Buch mit dem Titel "The Works of Thomas Dick, LL.D. Four Volumes in One: An Essay on the Improvement of Society, the Philosophy of a Future State, and the Christian Philosophy of Religion" auf dem Cover.

Kardinal Marx: "Demokratie braucht Religion – sonst droht sie zu scheitern"

Kardinal Reinhard Marx betont die unverzichtbare Rolle der Religion in demokratischen Gesellschaften

Bei einer Rede in Linz hat Kardinal Reinhard Marx die zentrale Bedeutung von Religion für demokratische Systeme hervorgehoben. Demokratie, so sein Argument, sei auf Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die über bloße gesetzliche Pflichten hinausgehen. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der die katholische Kirche in Deutschland mit dramatischen Mitgliederrückgängen konfrontiert ist.

Marx beschrieb Demokratie als ein System, das Menschen brauche, die mehr leisten als das Gesetz verlange. Diese zusätzliche Verpflichtung – Solidarität, Einsatzbereitschaft und ein Gefühl gemeinsamer Verantwortung – sei das Fundament einer freien Gesellschaft. Ohne sie drohe die Demokratie zu einem System zu verkommen, in dem die Menschen unter ständigen Forderungen nach immer mehr zusammenbrächen.

Den christlichen Glauben bezeichnete er als natürlichen Verbündeten beim Aufbau einer gerechten Gesellschaft. "Wenn Menschen eine Demokratie gestalten", so Marx, "dann sollten sie sagen: Wir brauchen euch Christen an unserer Seite." Der Kardinal hob zudem den Sonntag als "Denkmal der Demokratie" hervor – einen Tag, der beweise, dass die Gesellschaft mehr schätze als Profit und Effizienz.

Gleichzeitig räumte Marx ein, dass die Kirche selbst mit schweren Herausforderungen kämpft. Der Anteil der Katholiken in Deutschland ist seit den 1990er-Jahren – damals gemeinsam mit den Protestanten noch bei über 90 Prozent der Bevölkerung – auf nur noch 24 Prozent bis Ende 2023 gesunken. Bis 2025 wird die Zahl der Mitglieder voraussichtlich auf 19,2 Millionen fallen, wobei allein in diesem Jahr über 600.000 Menschen austreten dürften. Die zunehmende Säkularisierung und ein wachsender Anteil nichtreligiöser Menschen – mittlerweile fast die Hälfte der Bevölkerung – beschleunigen diesen Schwund.

Der Kardinal gab zu, dass die Kirche ihren eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht geworden sei. Dennoch bestehe er darauf, dass Religion unverzichtbar bleibe, und erklärte: "Die Demokratie braucht die Religion."

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Marx' Vision verknüpft das Überleben der Demokratie mit Werten, die über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgehen. Sein Appell für mehr bürgerliches Engagement fällt in eine Zeit, in der der Einfluss der Kirche in Deutschland schwindet. Die Frage ist nun, ob der Glaube die Gesellschaft noch prägen kann, während seine institutionelle Verankerung bröckelt.

Quelle