Hitze Debatte in Dorfen: Bürgermeister-Stichwahl spaltet die Gemeinde
Über 300 Einwohner versammelten sich in Dorfen, Oberbayern, zu einer hitzigen Debatte vor der Stichwahl um das Bürgermeisteramt, bei der Amtsinhaber Heinz Grundner (CSU) auf seinen Herausforderer Claudius Siebert traf, der von UWG, LDW, SPD und Grünen unterstützt wird. Die vom Erdinger/Dorfener Anzeiger organisierte und live übertragene Veranstaltung war geprägt von scharfen Kontroversen über Verkehrskonzepte, Wohnraumpolitik und die Zukunft des örtlichen Freibads.
Die wachsende Einwohnerzahl – von 14.100 im Jahr 2022 auf voraussichtlich 14.500 Anfang 2026 – verlieh den Diskussionen über Infrastruktur und Stadtentwicklung zusätzliche Dringlichkeit.
Das Freibad entwickelte sich zum zankapfelträchtigsten Thema. Während Grundner für eine Verlegung plädierte, um Lärmbelastungen zu reduzieren, setzte sich Siebert für innovative Lösungen ein, um den Standort zu erhalten. Er behauptete zudem, im Gegensatz zu Grundner persönlich mit Grundbesitzern in Rutzmoos gesprochen zu haben, während dieser auf formelle Verfahren pochte.
Auch bei Verkehrslösungen prallten die Positionen aufeinander. Beide Kandidaten waren sich einig, dass die geplante Umgehungsstraße Mehlmühle die Staus nicht ausreichend entlasten werde, doch beim Ausbau einer großen Ringstraße gingen die Meinungen auseinander. Grundner bezeichnete die Weigerung des Stadtrats, die Staatsstraße 2086 instand zu halten, als "Jahrhundertchance vertan". Siebert konterte mit Kritik an fehlender Kostentransparenz bei früheren Entscheidungen.
Bei der Wohnraumpolitik fanden sie kurzzeitig gemeinsame Worte. Dorfens Wohnbauoffensive, 2023 gestartet, hat Genehmigungsverfahren beschleunigt, 20.000 Euro Zuschüsse für Mehrfamilienhäuser bereitgestellt und in Kooperation mit Bauträgern den Bau von 150 bezahlbaren Wohnungen bis 2025 vorangetrieben. Beide betonten die Notwendigkeit, junge Familien angesichts steigender Zuzugszahlen zu unterstützen.
Im Schlusswort gelobten beide, sich voll dem Bürgermeisteramt zu widmen, und riefen trotz aller Differenzen zur Einheit auf.
Die Debatte offenbarten tiefe Gräben über Dorfens Zukunft – von Verkehrsplanung bis zu Freizeiteinrichtungen. Angesichts der bevorstehenden Stichwahl müssen die Wähler nun abwägen zwischen Grundners Erfahrung und Sieberts Forderung nach direktem Handeln. Das Ergebnis wird maßgeblich prägen, wie die Gemeinde in den kommenden Jahren mit Wachstum, Infrastruktur und Bürgerbedürfnissen umgeht.






