Grimme-Institut entzieht Journalistin Judith Scheytt umstrittenen Medienpreis
Pierre BaumKritik am Grimme-Preis: 'Unzivilisierte' Autoren geben Preis zurück - Grimme-Institut entzieht Journalistin Judith Scheytt umstrittenen Medienpreis
Das Grimme-Institut hat der Journalistin Judith Scheytt einen zuvor verliehenen Preis wieder entzogen, nachdem ihr vorgeworfen wurde, in ihrer Arbeit antisemitische Erzählmuster zu verbreiten. Die Entscheidung folgte auf öffentliche Kritik sowie die Rückgabe der Auszeichnungen durch zwei weitere Preisträger aus Protest. Scheytt, eine deutsche Aktivistin, war bereits 2021 während einer Hilfsflotille für den Gazastreifen in Israel festgenommen worden.
Scheytt wurde am 9. Juli 2021 an Bord der Conscience festgenommen, einem Schiff der von der Freedom Flotilla Coalition organisierten Flotte. Die israelischen Behörden stoppten das Schiff nahe Aschdod mit der Begründung, es habe die Seeblockade des Gazastreifens durchbrochen, die der Verhinderung von Waffenlieferungen an die Hamas diene. Nach einem Verhör wurde sie am folgenden Tag ohne weitere Anklage abgeschoben. Der Vorfall löste in Deutschland politische Debatten über ihre Rolle als Aktivistin aus.
Der Grimme-Preis, vergeben vom unabhängigen Grimme-Institut und der assoziierten Organisation Freunde des Adolf-Grimme-Preises, geriet später wegen der Auszeichnung Scheytts in die Kritik. Zwei weitere Preisträger, Bilal Bahadır und Çagdas Yüksel, gaben ihre Auszeichnungen für Unzivilisiert zurück. Sie warfen dem Institut und dessen Direktor vor, die Kontroverse nicht ausreichend aufgegriffen zu haben, und argumentierten, dass das Schweigen dem Ansehen des Preises geschadet habe.
Scheytt wies die Antisemitismus-Vorwürfe zurück und lehnte die gegen sie vorgebrachte Analyse ab. Trotz ihrer Stellungnahme zog das Institut die Auszeichnung schließlich zurück – mit Verweis auf Bedenken hinsichtlich der Inhalte ihrer Arbeit.
Der Entzug des Preises von Scheytt beendet eine Auseinandersetzung, die die Unterstützer des Grimme-Instituts spaltete. Der Protest von Bahadır und Yüksel machte darüber hinaus grundsätzliche Spannungen deutlich, wie die Organisation mit Antisemitismus-Vorwürfen umgeht. Der Fall rückte zudem Scheytts Festnahme 2021 erneut in den Fokus und verband ihren Aktivismus mit den anhaltenden Debatten über Medienverantwortung und politisches Engagement.