Giffeys Apothekenbesuch in Rudow: Kampf um faire Gebühren und Fachkräfte
Pierre BaumGiffeys Apothekenbesuch in Rudow: Kampf um faire Gebühren und Fachkräfte
Berlins ehemalige regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey besuchte diese Woche eine Apotheke im Stadtteil Rudow. Mittlerweile als Wirtschaftssenatorin der Stadt tätig, verbrachte sie eine Stunde in der Alten Kloster-Apotheke, um über drängende Probleme der Branche zu sprechen. Im Mittelpunkt standen Personalmangel, Gebührenregelungen und anstehende Reformen, die den Betrieb von Apotheken grundlegend verändern könnten.
Giffey traf sich mit der Apothekerin Katja Laurisch-Nehrkorn, die zwei Filialen in der Nachbarschaft leitet und mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigt. Ihr Gespräch drehte sich vor allem um die seit Langem überfällige Anpassung der Apothekengebühren. Laurisch-Nehrkorn betonte, dass diese unabhängig festgelegt werden müssten, um faire Löhne zu gewährleisten und Fachkräfte zu halten.
Die Apothekerin warnte zudem vor einer geplanten Ausbildungsabgabe in Berlin, die die ohnehin angespannte finanzielle Situation der Betriebe weiter verschärfen würde. Kritisch äußerte sie sich auch zu Plänen, die Aufgaben von Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) auszuweiten – sie fürchtet, dass dadurch Drogerieketten in den Markt für verschreibungspflichtige Medikamente drängen könnten.
Ein weiteres zentrales Thema war der wachsende Trend, dass hochpreisige Arzneimittel direkt an Patienten ausgeliefert werden – und damit lokale Apotheken umgehen. Laurisch-Nehrkorn forderte verbindliche Verhandlungsrechte, um die Fähigkeit der Apotheker zu schützen, ihre Gebühren ohne staatliche Einmischung selbst festzulegen.
Nach dem Besuch bedankte sich Giffey auf Instagram bei Laurisch-Nehrkorn für den "aufschlussreichen Austausch" und ihr Engagement für die lokale Gesundheitsversorgung. Die Apothekerin erklärte später, sie fühle sich gehört, räumte jedoch ein, dass Giffeys Spielraum bei bundesweiten Apothekengesetzen begrenzt sei.
Das Treffen unterstrich die finanziellen und regulatorischen Herausforderungen, vor denen Berlins Apotheken stehen. Die Warnungen Laurisch-Nehrkorns zu Personalkosten, Gebührenanpassungen und Wettbewerbsdruck werden voraussichtlich die weiteren Debatten über die anstehende Apothekenreform prägen. Giffeys Besuch signalisiert die fortlaufende Auseinandersetzung der Stadt mit kleinen Unternehmen angesichts möglicher Branchenumbrüche.






