Geheime EVP-AfD-Chats lösen politischen Eklat um Migrationsabsprachen aus
Klaus-Dieter PohlSöder sieht keine Bedrohung für die Brandmauer der EVP gegen die AfD nach Chat-Kontroverse - Geheime EVP-AfD-Chats lösen politischen Eklat um Migrationsabsprachen aus
Ein geleakter Chatverlauf mit Mitgliedern der Europäischen Volkspartei (EVP) und der rechtsextremen AfD hat heftige Kritik ausgelöst. Berichte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) deckten geheime Absprachen zwischen den beiden Fraktionen im Europäischen Parlament auf. Die Enthüllungen setzen konservative Spitzenpolitiker unter Zugzwang, Stellung zu beziehen.
Der Skandal nahm seinen Lauf, nachdem die dpa eine private Chatgruppe aufgedeckt hatte, in der EVP- und AfD-Politiker an einem Gesetzesvorhaben zusammenarbeiteten. Das Vorhaben zielte auf eine Verschärfung der Migrationsregeln ab, darunter die Abschiebung von Asylsuchenden in sogenannte "Rückkehrzentren" außerhalb der EU. Zwar ist die genaue rechtliche Tragweite noch unklar, doch rückt vor allem die Art der Zusammenarbeit in den Fokus der Debatte.
CSU-Chef Markus Söder verurteilte den Vorfall als "ziefst beunruhigend". Er bezog sich dabei auf eine Erklärung des EVP-Vorsitzenden Manfred Weber, der beteuerte, von der Chatgruppe keine Kenntnis gehabt zu haben. Weber, zugleich stellvertretender CSU-Vorsitzender, habe Söder versichert, künftig durch strengere Kontrollen solche Vorfälle zu verhindern.
Trotz der Empörung bekräftigte Söder, dass die langjährige "Brandmauer" von CDU und CSU gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin bestehe. Die Regelung, die jede formelle Kooperation mit der rechtsextremen Partei ausschließt, ist seit Jahren ein Grundpfeiler der Unionsstrategie.
Aus den geleakten Chats geht zudem hervor, dass es persönliche Treffen zwischen EVP- und AfD-Vertretern gab, um den Migrationsentwurf weiter auszuarbeiten. Auch Abgeordnete der Unionsfraktion waren beteiligt – was zusätzliche Fragen zur Reichweite der Absprachen aufwirft.
Der Eklat zwingt die EVP-Führung nun, interne Kontrollmechanismen und Transparenz zu überprüfen. Webers Ankündigung, die Aufsicht zu verschärfen, fällt zusammen mit der erneuten Betonung der CSU, keinen Dialog mit der AfD zu suchen. Doch die Affäre hat bereits eine grundsätzliche Diskussion über fraktionsübergreifende Bündnisse im Europäischen Parlament entfacht.