Entwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen von der Ampel-Regierung
Klaus-Dieter PohlEntwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen von der Ampel-Regierung
Zwei große deutsche Nichtregierungsorganisationen haben in ihrem jüngsten Jahresbericht die Entwicklungspolitik des Landes bewertet. Welthungerhilfe und Terre des Hommes stellten ihre Ergebnisse am Mittwoch vor und forderten dringende Reformen bei der Verwaltung und Umsetzung von Entwicklungshilfe. Ihr Bericht verweist auf wachsende Herausforderungen in einer Welt, die zunehmend von Krisen, Konflikten und den Folgen des Klimawandels geprägt ist.
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert, Generalsekretär von Terre des Hommes, leiteten die Präsentation. Sie begrüßten zwar die Pläne der Regierung, die Entwicklungspolitik neu auszurichten, kritisierten jedoch das Fehlen einer klaren Strategie in den Vorschlägen von Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan.
Mogge betonte, dass der Fokus von der Höhe der Hilfsgelder auf deren Qualität verlagert werden müsse. Er forderte weniger Bürokratie und mehr Freiraum für zivilgesellschaftliche Gruppen, um ihre Arbeit selbst zu gestalten. Hofert ergänzte, dass Reformen nicht allein von Berlin aus vorangetrieben werden dürften, sondern von Anfang an Partnerländer, lokale Organisationen und junge Menschen einbeziehen müssten.
Beide unterstrichen die Notwendigkeit einer stärkeren Einbindung der Zivilgesellschaft – sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Gleichzeitig warnten sie, dass die zunehmende Politisierung der Entwicklungshilfe deren Grundprinzipien – Neutralität, Unabhängigkeit und bedarfsgerechte Unterstützung – untergraben könnte. Die NGOs verlangten, dass die Mittel für humanitäre Hilfe im nächsten Haushalt auf 2,8 Milliarden Euro aufgestockt werden, was eine deutliche Steigerung gegenüber den derzeitigen einer Milliarde Euro bedeuten würde.
Mogge hob die Dringlichkeit hervor, humanitäre Anstrengungen zu verstärken. Die Gelder müssten zudem präventiv eingesetzt werden und nicht nur in akuten Notsituationen fließen, so der Generalsekretär. Der Bericht wies zudem darauf hin, dass die Entwicklungspolitik den Spannungsbogen zwischen den Interessen Deutschlands und denen der Partnerländer überwinden müsse.
Die NGOs haben klare Forderungen an die Reformpläne der Regierung formuliert: mehr Finanzmittel, weniger bürokratische Hürden sowie eine stärkere Rolle für die Zivilgesellschaft und die Partnerstaaten. Ohne diese Veränderungen, so ihre Argumentation, werde die Entwicklungshilfe den wachsenden Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht werden können.
