Zuckersteuer 2028: Wie das Ministerium mit fragwürdigen Daten trickst
Klaus-Dieter PohlZuckersteuer 2028: Wie das Ministerium mit fragwürdigen Daten trickst
Die deutsche Bundesregierung plant die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke ab 2028, mit dem Ziel, jährlich rund 450 Millionen Euro einzunehmen. Aktuelle Berichte zeigen jedoch Ungereimtheiten in den offiziellen Angaben zu Zuckerreduktionen in Erfrischungsgetränken der vergangenen sechs Jahre auf. Kritiker werfen dem Ministerium vor, die Zahlen möglicherweise übertrieben zu haben, um strengere Vorschriften zu umgehen.
In einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2024 hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärt, der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken sei seit 2018 um 15 Prozent gesunken. Ein interner Bericht belegte jedoch, dass die tatsächliche Reduktion nur 9,1 Prozent betrug. Das Ministerium präzisierte später, die 15-Prozent-Angabe beziehe sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt marktrelevanter Produkte – nicht auf alle untersuchten Getränke.
Das Max Rubner-Institut, eine Bundesforschungseinrichtung, fand zwischen 2018 und 2024 keinen signifikanten Rückgang des Zuckergehalts in allen Erfrischungsgetränken. Zudem verwies es auf Unsicherheiten bei der 15-Prozent-Angabe, bedingt durch eine kleinere Stichprobe im Jahr 2018 und mögliche methodische Unterschiede. Gleichzeitig wiesen Getränke, die mit bunten Designs speziell an Kinder vermarktet werden, 2024 sogar 23 Prozent mehr Zucker auf als noch 2019.
Die geplante Steuer soll zuckerarme Getränke (unter 5 Gramm pro 100 Milliliter) ausnehmen, während für Getränke mit 5 bis 8 Gramm Zucker 26 Cent pro Liter fällig werden und bei höheren Konzentrationen 32 Cent erhoben werden sollen. Das Ministerium wies Vorwürfe der Irreführung zurück, während Luise Mölling von der Verbraucherorganisation Foodwatch den Behörden vorwarf, die Fortschritte der Industrie übertrieben darzustellen, um schärfere Regelungen zu vermeiden.
Die neue Abgabe tritt 2028 in Kraft und zielt auf Getränke mit besonders hohem Zuckergehalt ab. Unabhängige Berichte deuten darauf hin, dass sich der Zuckergehalt in vielen Erfrischungsgetränken seit 2022 kaum verändert hat. Die Angaben des Ministeriums bleiben umstritten – Kritiker hinterfragen weiterhin die Grundlage der früheren Behauptungen.






