Wim Wenders' Falsche Bewegung entfacht neue Debatte über Sexismus und Kunstfreiheit
Klaus-Dieter PohlWim Wenders' Falsche Bewegung entfacht neue Debatte über Sexismus und Kunstfreiheit
Eine aktuelle Debatte um Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 ist neu entfacht – insbesondere wegen der Darstellung der damals 13-jährigen Nastassja Kinski in einer halb nackten Szene. Die Diskussion gewann an Fahrt, nachdem der Film im März im Frankfurter Filmmuseum im Rahmen einer Retrospektive über den Regisseur gezeigt worden war.
Jahre lang hatte Kinski versucht, die umstrittene Szene aus dem Film entfernen zu lassen. Erst als Wenders ihren Antrag öffentlich ablehnte, fand ihr Anliegen breitere Unterstützung. Der Vorfall hat eine größere Debatte über den Umgang mit Sexismus in der Vergangenheit und die gesellschaftliche Blindheit gegenüber dem sogenannten „Lolita-Komplex“ ausgelöst.
Wenders entschuldigte sich später bei Kinski und zog den Film aus dem Verkehr. Doch die zentralen Fragen, wie mit solchen Inhalten umgegangen werden soll, bleiben unbeantwortet. Manche argumentieren, Filme könnten ohne Verlust ihrer künstlerischen Integrität bearbeitet werden, während andere auf die Bewahrung des Originalwerks pochen.
Auch Schauspielerinnen wie Natalie Portman, Dakota Fanning und Kirsten Dunst haben über ihre Erfahrungen mit umstrittenen Rollen gesprochen. Brooke Shields, die mit elf Jahren in Pretty Baby mitspielte, äußerte sich unbehaglich darüber, ihre Beteiligung an einem Film rechtfertigen zu müssen, den manche als unmoralisch empfanden. Jodie Foster hingegen, die mit zwölf in Taxi Driver zu sehen war, sprach stets mit Humor und Gelassenheit über ihre Rolle.
Forderungen, Szenen, die heute als unangemessen gelten, zu kennzeichnen oder einzuordnen, gelten als vorübergehende Lösung. Viele sind jedoch der Meinung, dass ein tieferes Problembewusstsein nötig ist, um diese Fragen angemessen zu behandeln.
Die Debatte um Falsche Bewegung hat die ungelösten Spannungen offenbart, die darin bestehen, wie die Gesellschaft vergangene Werke betrachtet. Zwar hat Wenders Schritte unternommen, um die Kritikpunkte anzugehen, doch die Diskussion darüber, wie künstlerische Bewahrung und ethische Verantwortung in Einklang zu bringen sind, geht weiter. Die Rücknahme des Films aus dem Verleih markiert einen bedeutenden Moment in dieser anhaltenden Auseinandersetzung.






