Wie ARD und ZDF mit persönlichen Geschichten junge Zuschauer gewinnen – und was sie riskieren
Ilja RustWie ARD und ZDF mit persönlichen Geschichten junge Zuschauer gewinnen – und was sie riskieren
ARD und ZDF setzen auf neue Wege, um junge Zuschauer zu erreichen – mit einem Wandel in der Berichterstattung. Reportageformate rücken zunehmend persönliche Erzählungen in den Mittelpunkt, bei denen Reporter:innen selbst zur Hauptfigur ihrer Geschichten werden. Damit entfernen sich die öffentlich-rechtlichen Sender von traditionellen journalistischen Werten wie Neutralität und Distanz.
Eine aktuelle Studie untersuchte fünf Formate: VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage. Diese Formate sprechen jüngere Zielgruppen vor allem durch emotionale Ich-Perspektiven an. Das Publikum empfindet sie als nahbar und authentisch – doch der Ansatz birgt auch Risiken.
Wenn Reporter:innen im Zentrum stehen, droht das eigentliche Thema in den Hintergrund zu geraten. Einige Formate kämpfen damit, tiefe Analysen oder investigative Recherche zu liefern. Erste Anzeichen deuten sogar darauf hin, dass junge Zuschauer:innen den wiederholten "Ich-bezogenen" Stil langsam überdrüssig werden.
Trotz der Beliebtheit steht der Öffentlich-Rechtliche Rundfunks vor einer Herausforderung: Er muss die persönliche Ansprache, die Zuschauer:innen anzieht, mit hohen journalistischen Standards vereinen. Die Studie lieferte jedoch keine ausreichenden Daten, um Reichweite oder Einschaltquoten mit älteren Formaten wie Y-Kollektiv oder funk zu vergleichen.
Die neuen Formate haben den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für junge Menschen attraktiver gemacht. Doch ihr langfristiger Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, Authentizität mit fundiertem Journalismus zu verbinden. Andernfalls könnte die inhaltliche Tiefe zugunsten persönlicher Erzählungen weiter an Bedeutung verlieren.






