Volksbühne Berlin verabschiedet sich mit epischem Peer Gynt-Marathon
Die Volksbühne Berlin schließt ihr künstlerisches Kapitel mit einer gewagten letzten Produktion ab. Die Regisseure Vegard Vinge und Ida Müller inszenieren Peer Gynt als ihre letzte gemeinsame Arbeit, bevor sie 2025 die Volksbühne verlassen. Die Aufführung markiert das Ende von acht Jahren intensivem, experimentellem Theater, das das Publikum gleichermaßen spaltete und faszinierte.
Ihre letzte Spielzeit beginnt mit Henrik Ibsens Peer Gynt – eine Produktion, die bereits jetzt für Furore sorgt. Die Vorstellung dauert bis zu acht Stunden, begrenzt nur durch Arbeitsschutzbestimmungen. Anders als im klassischen Theater können Zuschauer kommen und gehen, sich mit Getränken oder Snacks versorgen und so die Grenze zwischen Bühne und Realität verschwimmen lassen.
Ihr Ansatz war schon immer unkonventionell. Bei einer früheren Aufführung verwehrten sie dem Publikum sogar den Zutritt zum Saal. Ein anderes Mal verwandelten sie eine Lagerhalle in Berlin-Reinickendorf in eine temporäre Spielstätte, wo keine zwei Vorstellungen demselben Drehbuch folgten.
Peer Gynt zieht die Zuschauer bereits beim Betreten in seinen Bann. Im Foyer prägen Ida Müllers filigrane Wimmelbilder (detailreiche Panorama-Illustrationen) die Stimmung für die ausufernde, chaotische Welt im Inneren. Auf der Bühne spielt Vinge den exzentrischen Künstler-Pfau, der sich durch ein Meer verworfener Gemälde kämpft. Müllers opulente Bühnenbilder brachten ihr den Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis ein – eine Auszeichnung für ihre eindrucksvolle visuelle Erzählkunst.
Die Produktion steht am Ende jahrelanger Debatten über die Führung der Volksbühne. Nach dem Tod des früheren Direktors René Pollesch galten Vinge und Müller kurz als mögliche Nachfolger, was gemischte Reaktionen auslöste. Stattdessen übernimmt Matthias Lilienthal 2026 die Intendanz und entspannt so die Stimmung in Berlins Kulturszene. Doch derzeit liegt der Fokus auf Peer Gynt – einem Theatermarathon, der jede Nacht mit donnerndem, emotionalem Applaus endet.
Bald fällt der Vorhang für die Ära Vinge und Müller an der Volksbühne. Ihr Peer Gynt hinterlässt einen bleibenden Eindruck – eine Mischung aus Ausdauer, Spektakel und roher Emotion. Nach dieser Spielzeit beginnt für das Theater eine neue Phase unter anderer Leitung, doch ihr Erbe radikaler, immersiver Inszenierungen wird bestehen bleiben.






