Sonja Eismanns Candy Girls: Wie die Musikbranche Frauen systematisch abwertet
Ilja RustSonja Eismanns Candy Girls: Wie die Musikbranche Frauen systematisch abwertet
Sonja Eismanns neues Essay Candy Girls untersucht den tief verwurzelten Sexismus in der Musikbranche
In ihrem Buch zeigt Eismann auf, wie Frauen – ob als Künstlerinnen, Fans oder Fachfrauen – mit systematischer Abwertung und alltäglicher Misogynie konfrontiert sind. Von historischen Figuren bis hin zur modernen Popkultur zeichnet sie Muster der Objektifizierung und Ausgrenzung nach, die bis heute fortbestehen.
Eismann seziert den männlichen Blick und seine Auswirkungen auf die Rollen von Frauen in der Musik. Sie analysiert, wie Begriffe wie „candy“ in Songtexten Frauen oft auf passive Objekte männlicher Begierde reduzieren. Zudem kritisiert das Buch den Umgang der Branche mit weiblicher Fangemeinschaft – etwa den ambivalenten Status von Groupies oder die Abwertung des musikalischen Wissens von Frauen.
Das Essay deckt langjährige diskriminierende Praktiken auf, etwa Radioregeln, die es vermeiden, zwei Songs von Frauen hintereinander zu spielen. Eismann identifiziert wiederkehrende „Lolita“-Figuren im Pop, bei denen tabubrechende Inhalte gefährlich mit ausbeuterischen Themen verschmelzen. Sie verweist auch auf die Miniserie Daisy Jones & The Six, in der die Figur Karen ihre Beziehung zu einem Bandmitglied verbirgt, um nicht allein darauf reduziert zu werden.
Als Gegenentwurf skizziert Eismann einen feministischen „FLINTA-Pop-Kanon“ und würdigt einflussreiche Musikerinnen der Geschichte – darunter Sister Rosetta Tharpe, die „Patin des Rock ’n’ Roll“, deren Leistungen oft übergangen werden. Das Buch verknüpft diese Beispiele mit breiten popfeministischen Debatten und offenbart, wie wenig sich tatsächlich verändert hat.
Candy Girls legt die anhaltende Sexismus-Struktur der Musikindustrie offen – von lyrischen Klischees bis zu institutionellen Barrieren. Eismanns feministische Kritik und ihr vorgeschlagener Kanon fordern patriarchale Normen heraus. Das Buch ist zugleich eine Analyse vergangener Versäumnisse und ein Aufruf zu strukturellem Wandel.






