Nürnberger Flughafen kämpft mit neuem Gebührenmodell gegen Pandemie-Folgen
Klaus-Dieter PohlNürnberger Flughafen kämpft mit neuem Gebührenmodell gegen Pandemie-Folgen
Flughafen Nürnberg (NUE) verzeichnete während der Pandemie einen dramatischen Rückgang der Passagierzahlen. Im Oktober 2020 brach der Verkehr um 83,2 Prozent ein, was die Betriebsabläufe schwer beeinträchtigte. Die deutsche Bundesregierung reagierte mit einem 500-Millionen-Euro-Hilfspaket für Flughäfen, darunter auch NUE, um sie durch die erste Lockdown-Phase zu bringen.
Besonders hart traf die Pandemie den Full-Service-Carrier-Bereich des Flughafens, der zuvor stark von der Geschäftsreise-Nachfrage profitiert hatte. Um sich anzupassen, bildete NUE eine Taskforce, die die Gebühren und Anreize überarbeitete. Daraus entstand das Übergangsprogramm „Blue Ocean Lifeline“.
NUE bezeichnet seinen Markt seit Langem als „blauen Ozean“ – ein Begriff für weniger umkämpfte Märkte –, was in den vergangenen fünf Jahren zutraf. Diese Positionierung könnte nun die Erholung begünstigen, da mit starkem Wachstum im VFR-Segment (Besuche bei Freunden und Verwandten) sowie im Freizeitreisebereich gerechnet wird. Die Nachfrage nach Flügen nach Italien, Griechenland und Osteuropa soll deutlich steigen.
Ab dem Sommer 2021 führt NUE ein nutzungsbasiertes Gebührenmodell für Airlines ein. Dabei zahlen Fluggesellschaften nur für die Infrastruktur, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen. Gleichzeitig konzentriert sich die Lufthansa weiterhin auf ihre Drehkreuze in Frankfurt (FRA) und München (MUC), was darauf hindeutet, dass diese Märkte auch nach der Krise „rote Ozeane“ – also hochkompetitive Märkte – bleiben werden. Zudem plant die Airline, ihr Mittelstrecken-Freizeitangebot auszubauen, was den Wettbewerb für NUE verschärfen könnte.
Die Debatte über die Umweltauswirkungen von kurzen Zubringerflügen innerhalb Deutschlands hält derweil an.
NUE passt sein Geschäftsmodell an, um die Pandemie-Folgen zu überwinden. Die neue Gebührenstruktur und die Anreize sollen Airlines anziehen und gleichzeitig das Wachstum im Freizeitsegment fördern. Die einzigartige Marktposition des Flughafens könnte die Erholung beschleunigen, doch der Wettbewerb durch große Carrier wie die Lufthansa bleibt eine Herausforderung.






