Fermentierter Miso und Mondglas: Wie Forscher das Leben im All revolutionieren
Pierre BaumFermentierter Miso und Mondglas: Wie Forscher das Leben im All revolutionieren
Wissenschaftler testen neue Methoden, um Nahrung und Energie für künftige Weltraummissionen zu produzieren. Ein jüngstes Experiment auf der Internationalen Raumstation (ISS) zeigte, dass fermentierte Misopaste unter Schwerelosigkeit einzigartige Aromen entwickelt. Gleichzeitig arbeiten Forscher an Solarzellen aus Mondglas, die die Kosten für Mondstationen senken könnten, indem sie den Transport von Materialien von der Erde reduzieren.
2020 wurde ein Fermentationsexperiment mit Miso zur ISS geschickt, um zu untersuchen, wie die Bedingungen im All die Nahrungsmittelproduktion beeinflussen. Die entstandene Paste entwickelte im Vergleich zu irdischen Proben intensivere und komplexere Aromen. Die Forscher führten diese Veränderung auf ein sogenanntes „Weltraum-Terroir“ zurück – ein Begriff, der beschreibt, wie Schwerelosigkeit, Strahlung und andere Faktoren das Verhalten von Mikroorganismen während der Fermentation verändern. Maggie Coblentz, eine Forschungsmitarbeiterin am Massachusetts Institute of Technology (MIT), schlug vor, dass fermentierte Lebensmittel wie Miso auf langen Missionen eine wertvolle Ergänzung für die Ernährung von Astronauten darstellen könnten.
Parallel dazu hat ein Team einen Prototypen für Solarzellen entwickelt, der Perowskit-Zellen auf einem Substrat aus Mondglas nutzt. Das aus Mondregolith hergestellte Glas erwies sich überraschend stabil und effektiv in der Lichtleitung – möglicherweise bedingt durch Verunreinigungen im Material. Felix Lang von der Universität Potsdam nannte die Idee, Solarzellen aus Mondglas herzustellen, „brillant“. Die Wissenschaftler glauben, dass dieser Ansatz die Kosten für den Transport schwerer Materialien zum Mond deutlich senken könnte.
Beide Projekte zeigen innovative Lösungen auf, um das Überleben des Menschen jenseits der Erde zu sichern. Fermentierte Lebensmittel könnten nicht nur die Ernährung verbessern, sondern auch die Stimmung der Crew heben, während lokal produzierte Solarzellen eine zuverlässige Energiequelle für Mondhabitate bieten würden.
Die Experimente liefern vielversprechende Ergebnisse für die zukünftige Erforschung des Weltraums. Im All fermentierter Miso bietet intensivere Aromen und könnte so die Mahlzeiten für Astronauten schmackhafter machen. Gleichzeitig könnten Solarzellen aus Mondglas eine praktikable Methode darstellen, um auf dem Mond Energie zu gewinnen, ohne auf Nachschub von der Erde angewiesen zu sein. Diese Fortschritte bringen uns selbstversorgten Lebensräumen im Weltraum einen Schritt näher.






