26 April 2026, 10:16

Europas Arzneimittelversorgung: Abhängigkeit von China spaltet die Branche

Ein Plakat mit der Aufschrift "In 2022 haben Big Pharma die Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet wie in anderen Ländern" unten, mit ein paar Flaschen und einer Spritze.

Europas Arzneimittelversorgung: Abhängigkeit von China spaltet die Branche

Führende Vertreter aus der Pharmaindustrie und dem Krankenversicherungssektor trafen sich auf der Jahreskonferenz des Handelsblatts, um über die Arzneimittellieferketten in Europa zu diskutieren. Die Debatten zeigten tiefe Besorgnis über die Abhängigkeit von ausländischer Produktion – insbesondere von China – sowie über die Wirksamkeit der aktuellen Bevorratungsstrategien.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH), eröffnete die Diskussion mit der These, dass reine Lagerbestände für Generikahersteller keine tragfähige Lösung seien. Er betonte, dass Gesundheits-, Industrie- und Sicherheitspolitik untrennbar miteinander verknüpft werden müssten. Seine Warnung erstreckte sich auf die generellen Verwundbarkeiten Europas und verglich die potenziellen Risiken mit der jüngsten Halbleiterkrise.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, kritisierte die Annahme, die logistische Widerstandsfähigkeit sei bereits gesichert. Die aktuellen Reserven für sechs Monate bezeichnete er als unzureichend und forderte eine klarere Planung auf Basis realer Krisenszenarien. Inanc setzte sich zudem für eine verstärkte Produktion innerhalb Europas ein, um die Abhängigkeit vom Seetransport zu verringern.

Thomas Weigold, Deutschlandchef von Sandoz/Hexal, schlug Alarm wegen der starken Abhängigkeit von China bei Antibiotika und Generika. Das geplante Freihandelsabkommen mit Indien nannte er "absurd" – es schwäche Europas Widerstandsfähigkeit bei Generika. Stattdessen forderte Weigold, dass kritische Arzneimittel in den Sicherheitsrahmen Deutschlands integriert und europäische Produkte priorisiert werden müssten.

Eine gegensätzliche Position vertrat Tim Steimle, Pharmaleiter der Techniker Krankenkasse. Er bestätigte, dass Deutschland sein Ziel erreicht habe, für 47 Prozent der Lieferkette sechsmonatige Lagerbestände vorzuhalten. Zwar hätten Rabattverträge zunehmend Platz für umfassendere Versorgungsvereinbarungen gemacht, bei Kinderarzneimitteln gebe es jedoch weiterhin Ausnahmen. Steimle sprach sich zudem für das geplante Freihandelsabkommen mit Indien aus.

Die Konferenz offenbarten tiefe Gräben darüber, wie die Arzneimittelversorgung Europas gesichert werden soll. Während die einen auf mehr Eigenständigkeit und lokale Produktion setzten, verteidigten andere die bestehenden Bevorratungsmaßnahmen und Handelsabkommen. Die Diskussionen unterstrichen die Notwendigkeit einer abgestimmten Strategie, um künftige Engpässe zu vermeiden und externe Abhängigkeiten zu reduzieren.

Quelle