Banaszaks "Männerpolitik" spaltet die Grünen – und entfacht eine Debatte über Männlichkeit
Klaus-Dieter PohlBanaszaks "Männerpolitik" spaltet die Grünen – und entfacht eine Debatte über Männlichkeit
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, hat mit seiner Forderung nach einer „Männerpolitik“ speziell für junge Männer eine Debatte ausgelöst. Sein jüngster, bewusst provokanter Beitrag in den sozialen Medien stellte die Rolle von Männern bei der Ermöglichung schädlichen Verhaltens infrage. Die Diskussion stößt sowohl auf Zustimmung als auch auf scharfe Kritik – auch aus den eigenen Reihen.
Banaszak hatte bereits Anfang dieses Jahres in einem Playboy-Interview versucht, junge Männer mit feministischen Ideen zu erreichen. Er argumentiert, dass starre Geschlechterrollen Männer genauso einschränken wie Frauen und dass Männer Feminismus als bereichernd begreifen sollten. Die pinkfarbenen Wände in seinem Büro unterstreichen seine Ablehnung traditioneller Männlichkeitsklischees. Vor zwanzig Jahren trug Torhüter Tim Wiese noch ohne größere Reaktionen Pink auf dem Platz – ein Kontrast zu den heutigen polarisierten Debatten.
Der Bundesfrauenrat der Grünen reagierte skeptisch und zeigt sich verärgert über Banaszaks Vorgehen. Die Bedenken erinnern an frühere Konflikte: 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker:innen ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich“, das ebenfalls für Kontroversen sorgte. Unterdessen riet der AfD-Politiker Maximilian Krah jüngst in einem Video vor der Europawahl 2024 jungen Männern, die Probleme bei der Partnersuche hätten, sie sollten „nach rechts“ tendieren.
Die Wahlanalysen verdeutlichen die Spaltung: Bei der letzten Bundestagswahl wählten Männer unter 24 Jahren vermehrt die rechtspopulistische AfD, während Frauen derselben Altersgruppe eher links der Mitte stehende Parteien bevorzugten. Rasmus Andresen, Europaabgeordneter der Grünen, fordert nun einen Tonwechsel, um junge Männer nicht zu verprellen, sondern gemeinsame Anknüpfungspunkte zu finden.
Banaszaks Strategie hat die Diskussion über Männlichkeit und politisches Engagement neu entfacht. Innerhalb der Grünen gibt es Uneinigkeit, wie man junge Männer am besten erreichen kann. Gleichzeitig findet die AfD mit ihrer Botschaft weiterhin Anklang bei einem Teil dieser Zielgruppe – und prägt so die politische Landschaft mit.






